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Mittwoch, Dezember 23, 2015

Emily St. John Mandel - Das Licht der letzten Tage

© Piper


Originaltitel: Station Eleven
Verlag: Piper
Format: Broschur, EBook, Hörbuch
Umfang: 416 Seiten
Erschienen: 14.09.2015

Inhalt: 

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer. 
(Quelle: Piper.de)


Meine Meinung:
Kennt ihr das, wenn ihr mit völlig falschen Erwartungen an ein Buch herangeht und dann nicht negativ sondern positiv überrascht wird?

Manchmal trifft man völlig unvorbereitet auf kleine Schätze, auf ein Buch das einen berüht, das einen in seinen Bann zieht und das man nicht mehr hergeben will. "Das Licht der letzten Tage" ist so ein Schatz.  

Ich habe lange gebraucht um diese Rezension schreiben zu können. Wie sollte ich in Worte fassen, was dieses Buch in mir berührt hat. einfach über Protagonisten, Spannungsbogen oder Stil zu schreiben ist irgendwie nicht genug und würde auch in keinster Weise dem gerecht, was mir das Buch gegeben hat. Jetzt sitze ich hier vor meinem Computer und höre eine Lesung, die mir die Tränen in die Augen treibt und fühle mich genötigt über "Das Licht der letzten Tage" zu schreiben. Dabei haben die beiden Bücher kaum etwas gemeinsam, außer das sie mich berühren - mich traurig machen, aber auch hoffnungsvoll.

Was bleibt von uns, wenn es nur noch um das nackte Überleben geht? Was bleibt von uns, wenn das Überleben das einzige ist, was wir noch haben. Die Anwort?  Ich weiß es nicht. Aber warum ist es nicht Shakespeare "König Lear" und ein unveröffentlichter Comic-Roman? Es ist genau so realistisch wie es absurd ist und doch, es bleibt etwas von uns.


Das Buch kommt als Klappenbroschur daher. Auf der 1. Klappe gibt es ein Vorwort von George R.  R. Martin. Er sagt darin "Diese Buch dürfte eigentlich nicht funktionieren, aber es funktioniert. Hervorragend."

Dieses Buch erzählte verschiedene Zeitstränge die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Alles aus der Sicht einer Hand voll Menschen. Eines bekannten Schauspielers und seiner Frau (Exfrau), eines ehemaligen Paparazzo und angehenden Sanitäter, eines jungen Mädchen, das auf die Bühne möchte. 

Die Erzählung springt zwischen der Gegenwart, in der sich ein Virus in rasender Geschwindigkeit um die Erde verteilt und die Menschen wie Fliegen sterben lässt. Die Vergangenheit, in der ein Mann seinen Weg sucht und dabei seine Frau ihren Weg findet. Der Zukunft, in der nichts mehr ist wie es war und doch sich auch gar nicht so vieles verändert hat.

Die einzelnen Stränge und ihre Protagonisten fügen sich auch über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten wie Zahnräder in eine Schweizer Präzisionsuhr. Und als sich ein sehr alter ehemaliger Anwalt und eine jungen Schauspielerin sich 20 Jahre nach der Epidemie sich auf einem einsamen ehemaligen Flughafen mitten im Nirgendwo treffen, schließt sich ein Kreis, der seinen Anfang vor gut 40 Jahren genommen hat. Und man erkennt, nicht Geld und Macht bleibt, wenn alles vergeht. Nur die Erinnerungen, die wir selbst erhalten und die wir in anderen säen, die bleiben. Das sind die Spuren in unseren Leben die wichtig und die richtig sind. Geld und Macht vergehen so schnell wie sie gekommen sind, Liebe und Lust kann man auch nicht mit nehmen, doch Erinnerungen bleiben. Das sind die Spuren, die wir in der Welt hinter lassen. auch ohne Computer und Bücher haben wir Erinnerungen. Selbst wenn diese Erinnerungen "König Lear" und unveröffentlichte Comics betreffen. So sind dies Fußspuren, die nicht vergehen, so lange man sich an sie erinnert.

Ich verspreche euch nicht einen unglaublich spannenden Roman, denn das ist er nicht. Und doch fesselt er einen. Fesselt er mich. Ich verspreche euch keine Liebesgeschichte, denn das ist es auch nicht. Obwohl er von der Liebe zum Leben und der Liebe zum Überleben handelt.
Dieses Buch war alles, was nicht nicht erwartet habe und gerade deshalb, wird er einen festen Platz in meinem Leben haben. Was wohl schon die Tatsache beweißt, das ich ihn als EBook und inzwischen auch als Print (Danke Nicole) habe.

Fazit:  "Das Licht der letzten Tage" ist meine Überraschung des Jahres. Ein Buch, das den Leser tief berührt, wenn er sich darauf einlässt.




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